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Haus der Wissenschaft - Kinderblog

Deckel drauf! Warum?

Kategorie: Allgemeines, 30. Juni 2010 um 16:09

(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 26. Juni 2010)

Wenn Wasser in einem Topf zu kochen beginnt, findet ein spannender Vorgang statt: Auf dem Boden des Topfes ist die Hitze am größten, dort geht Wasser in den gasförmigen Zustand über und steigt auf, das typische Blubbern ist zu sehen – es kocht. In einem Topf mit Deckel kocht Wasser schneller als ohne.
Probiert es ruhig – natürlich gemeinsam mit euren Eltern – einmal aus: Wasser mit Deckel zum Kochen bringen, Zeit stoppen. Dann das Ganze ohne Deckel. Der Topf mit Deckel gewinnt garantiert.
Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen reflektiert der Deckel die im Topf entstehende Hitze. Die Temperatur im Topf steigt schneller, als wenn die Wärme einfach nach oben entweicht. Außerdem setzt sich der Dampf an der Innenseite des Deckels als heißes Wasser ab und läuft zurück, dem Inhalt des Topfes wird also weitere Wärme zugeführt, die sonst verloren wäre.
Astronauten hätten es übrigens schwer, Spaghetti in ihrem Raumschiff zu kochen: Unter Schwerelosigkeit steigen die Blasen im erhitzten Wasser nicht nach oben, sondern bilden eine große Blase am Topfboden, wo sie entstanden sind. Wegen dieser Blase könnte die Hitze von der Herdplatte aber nur schwer ins Wasser geleitet werden. Ein Deckel müsste in der Schwerelosigkeit auf jeden Fall auf dem Topf befestigt werden – sonst bleibt das Wasser nicht drin, sondern schwebt durch das Raumschiff.
Auf dem Mount Everest sieht die Sache schon wieder ganz anders aus, dort kocht Wasser ganz schnell: Durch den geringeren Luftdruck reichen schon 70 Grad Celsius – statt der 100 Grad, bei denen Wasser bei uns kocht.
Wieder umgekehrt ist es beim Dampfkochtopf. Weil Wasser unter dem hohem Druck später anfängt zu kochen, also einen höheren Siedepunkt erreicht, kann es deutlich heißer als 100 Grad werden, bevor es zu Dampf wird. Durch die höhere Temperatur werden Speisen schneller gar. Außerdem sorgt der höhere Druck in dem fast geschlossenen System dafür, dass das Wasser mehr Wärmeenergie aufnehmen kann und schneller heiß wird.
Das typische prasselnde Geräusch übrigens, das ihr beim Kochen von Wasser hört, entsteht dadurch, dass sich mit steigender Hitze zunächst kleine Bläschen aus Wasserdampf am Boden bilden. Wenn sie aufsteigen, kühlen sie ab und fallen in sich zusammen. Das ergibt das prasselnde Geräusch. Wenn das Wasser richtig kocht, steigen große Blasen bis an die Oberfläche, das Prasseln hört auf und man hört das für kochendes Wasser typische Blubbern.
Übrigens: Die Küchenweisheit, das Salz erst spät zugegeben werden sollte, weil es das Kochen des Wassers verzögert, ist eine Legende. Die Auswirkungen einer Prise oder eines Löffels Salz sind verschwindend gering. Es wird auch nur eine geringfügig höhere Temperatur erzielt.

(Autor: phæno Wolfsburg)

Wollt ihr auch ganz genau wissen, wie etwas funktioniert? Habt ihr eine Frage, die unsere “Besserwisser”-Wissenschaftler beantworten sollen? – Dann mailt uns an info@hausderwissenschaft.org! Die Antwort auf eure Fragen lest ihr samstags in der Braunschweiger Zeitung und etwas später in diesem Blog.


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