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Haus der Wissenschaft - Kinderblog

Oker – Lebensader der Region

Kategorie: Besserwisser, 27. September 2010 um 16:09

(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 25. September 2010)

Egal, von welcher Himmelsrichtung aus ihr euch dem Braunschweiger Stadtzentrum nähert – ohne eine Brücke über die Oker zu überqueren, erreicht ihr die Innenstadt nicht. Die Innenstadt gleicht in gewisser Weise einer Insel. Aber wie kommt es eigentlich, dass die Oker in Braunschweig um das Stadtzentrum herum fließt?

Um diese Frage zu beantworten, nimmt uns Professor Gerd Biegel, mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Er leitet des Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte an der Technischen Universität Braunschweig. „Flüsse wie die Oker kann man von der Quelle bis zur Mündung als Geschichtsbuch entdecken“, erklärt Biegel.

Ursprünglich floss auch die Oker mitten durch Braunschweigs Innenstadt. Bereits im Mittelalter, zur Zeit der Ritter und Burgen, umgab die Stadt eine Mauer, die Eindringlingen und Räubern den Zugang zur Stadt erschweren sollte.

„Im 18. Jahrhundert wurden die Stadtmauern zu noch größeren Befestigungsanlagen mit hohen Wällen und darauf stehenden Mauern ausgebaut“, erklärt Biegel. „Um diese Bastionsanlagen wurden Umflutgräben gezogen und mit dem Wasser der Oker gefüllt. So entstand ein zusätzlicher Schutz für die Stadt.“

Die Oker floss zu diesem Zeitpunkt sowohl durch Braunschweig hindurch als auch um die Stadt herum. Besucher, Händler, aber auch feindliche Eroberer und Räuber konnten die Stadt nur noch über Brücken erreichen und dadurch besser kontrolliert und abgewehrt werden.

Es gibt zahlreiche Legenden von Eroberern, die beim Versuch, in die Stadt zu gelangen, bereits auf der Brücke entdeckt wurden. „Herzog Heinrich Julius versuchte 1605, die Stadt in seine Gewalt zu bringen“, erzählt Biegel eine dieser Geschichten. „Er versteckte Soldaten in zwei Kutschen und zwölf Frachtwagen. Beim Versuch, die Stadt am Ägidientor zu überfallen, wurden seine Männer jedoch entdeckt und zurückgeschlagen.“

Die Umflutgräben der Oker um Braunschweig herum existieren heute noch und sind ein beliebter Ort für Kanutouren und Floßfahrten. Der Okerverlauf durch die Stadt wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wegen häufiger Überschwemmungen unter die Erde verlegt. Der Fluss bestimmt aber auch das Gesicht des gesamten Umlandes. Er entspringt im Nationalpark Harz und mündet nach 125 Kilometern in die Aller.

„Über die Stadtverteidigung hinaus erfüllte die Oker zahlreiche weitere Funktionen für die Region. Vor allem wurde sie als Transportweg genutzt.“ Über den Fluss wurden Waren aus dem Harz und aus den Städten am Ufer der Oker über die Aller und die Weser sogar bis an die Nordsee transportiert.

„Zu diesen Waren gehörte etwa die Braunschweiger Mumme, ein alkoholhaltiges Bier. Als Lebensader der Region lieferte die Oker aber auch Energie zum Antrieb der Mühlen und anderer Handwerksbetriebe“, hebt Biegel die Bedeutung des Flusses für die Region hervor.

(Autorin: Miriam Bürse)

Wollt ihr auch ganz genau wissen, wie etwas funktioniert? Habt ihr eine Frage, die unsere “Besserwisser”-Wissenschaftler beantworten sollen? – Dann mailt uns an info@hausderwissenschaft.org! Die Antwort auf eure Fragen lest ihr samstags in der Braunschweiger Zeitung und etwas später in diesem Blog.


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