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Haus der Wissenschaft - Kinderblog

Warum wird uns schwindelig?

Kategorie: Besserwisser, 22. November 2010 um 16:09

(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 20. November 2010)

Hui! Das war eine rasante Karussell-Fahrt. Man steigt aus und hat das Gefühl, der Boden unter den Füßen bewegt sich, die Umgebung dreht sich. Dieses Gefühl wird als Schwindel bezeichnet.

Ärzte unterscheiden zwischen mehreren Empfindungen: Schwankschwindel und Drehschwindel gibt es ebenso wie Liftschwindel, bei dem man das Gefühl hat, der Boden wird einem unter den Füßen weggezogen. Wieso wird uns schwindelig?

Unser Körper achtet genau darauf, dass wir uns möglichst im Gleichgewicht befinden. Das ist eine Sicherheitsmaßnahme, damit wir nicht stürzen und uns verletzen.

Dazu arbeitet ein kompliziertes System zusammen. Im Innenohr sitzt das eigentliche Gleichgewichtsorgan: Kleine, bogenförmige Gänge, die in die Haarzellen hineinragen, sind mit einer zähen Flüssigkeit gefüllt. Bewegt man seinen Kopf in eine bestimmte Richtung, drückt die Flüssigkeit gegen einige der Haarzellen und biegt sie. Diese Bewegung wird als elektrischer Impuls an das Gehirn geschickt, das daraus die Richtung und Bewegungsgeschwindigkeit ableitet. Zusätzlich verlassen wir uns auf unsere Augen, die uns zeigen, wo wir uns genau befinden und wie unsere Lage zum Horizont ist. Sensoren in unserer Haut registrieren ebenfalls, ob der Körper sich gerade oder schief hält.

Eine schnelle, längere Bewegung im Kreis – etwa auf dem Spielplatz-Karussell – kann dazu führen, dass die Flüssigkeit im Gleichgewichtsorgan immer in eine Richtung gedrückt wird. Dadurch werden keine Impulse mehr ans Gehirn gegeben. Stoppt die Bewegung plötzlich, bewegt sich die Flüssigkeit durch das Abbremsen in die Gegenrichtung und löst neue Reize aus: Dem Gehirn wird eine Bewegung gemeldet, die es gar nicht gibt. Die Augen registrieren hingegen ganz richtig, dass man still steht. Durch diese Verwirrung der Sinnesorgane entsteht das Schwindelgefühl.

Schwindel kann viele weitere Ursachen haben. Etwa Mangelernährung: Die Sensoren im Kopf brauchen genügend Nährstoffe, um zu funktionieren. Wer sehr hungrig oder durstig ist, kann unter Schwindelgefühlen leiden. Auch einige Krankheiten äußern sich in Schwindel, der bei manchen Patienten mehrere Stunden lang andauern kann.

Übrigens: Man kann das Gefühl, das das Gleichgewichtsorgan überträgt, nicht unterdrücken. Deswegen müssen Piloten lernen, ihren Instrumenten mehr zu trauen als ihrem eigenen Körper, um das Flugzeug in der richtigen Lage zu halten. Astronauten klagen oft über Schwindel. Wissenschaftler gehen davon aus, dass unterschiedliche Informationen der Sinnesorgane in der Schwerelosigkeit die Ursache sind.

(Autor: Michael Michalzik)


Wollt ihr auch ganz genau wissen, wie etwas funktioniert? Habt ihr eine Frage, die unsere “Besserwisser”-Wissenschaftler beantworten sollen? – Dann mailt uns an info@hausderwissenschaft.org! Die Antwort auf eure Fragen lest ihr samstags in der Braunschweiger Zeitung und etwas später in diesem Blog.

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