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Haus der Wissenschaft - Kinderblog

Ist Flugzeugtreibstoff umweltschädlich?

Kategorie: Besserwisser, 30. April 2011 um 16:09

(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 30. April 2011)

Wer bekommt da kein Fernweh? Ganz hoch am blauen Frühlingshimmel zieht ein großes Passagierflugzeug seine Bahn. Wie ein riesiger Stift hat der Flieger vier weiße Linien an den Himmel gezeichnet und Kondensstreifen hinterlassen – die deutlichen Spuren dafür, dass dort hoch oben Düsentriebwerke ihre Arbeit verrichten.

Diese Technik ist erst wenige Jahrzehnte alt. Lange wurden Passagierflugzeuge von Propeller-Motoren angetrieben. Die Düsentechnik eröffnete völlig neue Möglichkeiten: Die Maschinen konnten höher, weiter, schneller fliegen. Ein modernes Passagierflugzeug erreicht Höhen von über 10  000 Metern – höher als jeder Berg.

So weit oben ist die Luft oft minus 40 Grad kalt und sehr dünn. Dadurch verbraucht das Flugzeug zwar weniger Treibstoff. Dafür werden die Abgase aber auch weit in der Atmosphäre verteilt, wie Kritiker einwenden.

Die Flugzeugtriebwerke verbrennen einen Treibstoff, der Kerosin genannt wird. Grob gesagt, wird Luft durch die große vordere Öffnung des Triebwerks angesaugt und mit Turbinen stark verdichtet. Dann wird das Kerosin in die Brennkammer gespritzt. Die Mischung entzündet sich. Das entstehende Gas schießt mit hohem Druck nach hinten aus der Düse.

Ihr könnt das Prinzip ganz einfach zu Hause ausprobieren: einfach einen Luftballon aufpusten und loslassen. So wie der Ballon von der ausgestoßenen Luft vorwärts bewegt wird, so bringen die Triebwerke ein Flugzeug auf Geschwindigkeit.

Das funktioniert nur bis zu einer bestimmten Höhe: Irgendwann ist die Luft so dünn, dass nicht mehr genügend Sauerstoff für die Zündung in der Brennkammer vorhanden ist. Durch die Verbrennung entstehen unter anderem Wasserdampf und Ruß. Der Dampf setzt sich auf den schwebenden Rußteilchen ab und gefriert in großen Höhen sofort – Wolken aus weißem Eis bilden sich. Das sind die Kondenstreifen, die wir vom Boden aus sehen.

Kondensstreifen sind echte Wolken. Und darin besteht auch ein Problem: Inzwischen sind so viele Passagierflugzeuge weltweit im Einsatz, dass diese künstlich entstandenen Wolkengebilde Auswirkungen haben. Nimmt man alle zusammen, können Schätzungen zufolge an einzelnen Tagen 0,5 Prozent des Himmels über Mitteleuropa von Kondensstreifen bedeckt sein.

Die Wolken können einerseits Sonnenlicht daran hindern, den Boden zu erreichen, und so für eine Abkühlung sorgen. Andererseits verhindern sie auch, dass Strahlung von der Erde abgegeben wird. Das bedeutet eine Erwärmung. Auf jeden Fall beeinflussen Kondensstreifen inzwischen unser Klima.

Hinzu kommen die durch die Triebwerke ausgestoßenen Schadstoffe. Deswegen sind die Techniker der großen Triebwerkshersteller bemüht, immer sparsamere Versionen zu entwickeln.

(Autor: Michael Michalzik)

Wollt ihr auch ganz genau wissen, wie etwas funktioniert? Habt ihr eine Frage, die unsere “Besserwisser”-Wissenschaftler beantworten sollen? – Dann mailt uns an info@hausderwissenschaft.org! Die Antwort auf eure Fragen lest ihr samstags in der Braunschweiger Zeitung und etwas später in diesem Blog.


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