(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 7. Mai 2011)
Besonders heiße Sommer und Wetterkatastrophen mit Hochwassern und Wirbelstürmen sind Folgen der Klimaveränderung. Dass Abgase aus Fabrikschornsteinen und aus den Auspuffen unserer Autos schlecht für Klima und Umwelt sind, ist fast allen bekannt. Aber hättet ihr gedacht, dass auch rülpsende Kühe an den Klimaveränderungen beteiligt sind?
“Unsere Erde ist von einer gasförmigen Lufthülle umgeben, die sich Atmosphäre nennt. Die Gase in der Luft halten wie eine kuschelige Decke die Wärme zurück und sorgen damit für ausreichend hohe Temperaturen auf unserem Planeten. Dies ist der natürliche Treibhauseffekt”, erklärt uns Biologin Dr. Katharina Plassmann vom Institut für Agrarrelevante Klimaforschung des Johann-Heinrich-von-Thünen-Instituts in Braunschweig.
Zusätzlich gelangen Gase aus Fabriken, Kraftwerken, Fahrzeugen und auch aus der Landwirtschaft in die Atmosphäre, verstärken den natürlichen Treibhauseffekt, erhöhen die gesamte Erdtemperatur und führen so zu deutlichen Klimaveränderungen mit weitreichenden Folgen für unsere Umwelt.
Aber was hat nun die Kuh mit der Verstärkung des Treibhauseffekts zu tun? “Wiederkäuer, insbesondere Milchkühe, rülpsen und pupsen beim Fressen und während der Verdauung. Dabei wird ein Gas frei, das sich Methan nennt”, weiß Katharina Plassmann. “Methan ist ein sogenanntes Treibhausgas. Eine deutsche Milchkuh rülpst und pupst rund 109 Kilogramm Methan pro Jahr aus.”
Etwa 10 bis 12 Prozent der zusätzlich in der Luft vorhandenen Treibhausgase stammen aus der Landwirtschaft. Sie entstehen beispielsweise bei der Viehzucht oder der Verwendung von Düngemitteln im Ackerbau. “Werden stickstoffhaltige Dünger ausgebracht, kann zum Beispiel ein Gas mit dem Namen Lachgas entstehen, das 300 Mal so schädlich ist wie das Treibhausgas Kohlendioxid, das besonders in Abgasen von Autos und Fabriken enthalten ist. Das von der Kuh ausgestoßene Methan ist 25 Mal so schädlich”, betont Dr. Plassmann.
Wissenschaftler forschen an speziellen Diäten, um die Rülpser der Kühe durch eine spezielle Ernährung klimafreundlicher zu machen.
Wir Menschen verursachen durch Auto- und Industrieabgase sowie den verschwenderischen Verbrauch von Erdöl und Kohle allerdings den größten Teil aller zusätzlich vorhandenen Treibhausgase.
Außerdem tragen die vom Menschen verursachte Abholzung der Regenwälder und der übermäßige Einsatz von Mineraldünger in der Landwirtschaft dazu bei, dass der Anteil der Treibhausgase in unserer Atmosphäre weiter ansteigt.
“Die Belastung durch Kühe ist im Verhältnis gering. Und man darf nicht vergessen, dass die Kuh uns wertvolle Lebensmittel wie Milch und Käse liefert”, gibt Plassmann zu bedenken. Die Viehhaltung bedarf vieler Wiesen und Weiden, die nicht nur Futterlieferant für die Kühe sind, sondern auch ein wichtiger Lebensraum für viele andere Tier- und Pflanzenarten.
(Autorin: Ann-Kathrin Meyerhof)
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