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Haus der Wissenschaft - Kinderblog

Wieso klebt Klebstoff?

Kategorie: Besserwisser, 19. September 2011 um 16:09

(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 17. September 2011)

Klebstoffe sind aus unserem Leben nicht wegzudenken: Bei Autos werden die Windschutzscheiben eingeklebt, bei Handys Gehäusehälften mit Kleber verbunden. In der Medizin werden Operationswunden immer öfter geklebt als genäht. Regenjacken werden an den Nähten ebenso verklebt wie Teile von Möbeln. Selbst bei Flugzeugen kommt Kleber an wichtigen Verbindungen zum Einsatz. Ohne Klebstoffe geht es auch in der Raumfahrt nicht.

Wie aber funktioniert das Kleben? Ein guter Klebstoff muss zwei wichtige Voraussetzungen erfüllen: Er muss sich in sich selbst verbinden. Es entsteht ein regelrechtes Molekülknäuel (das nennt man Kohäsion). Außerdem muss er gut an den Oberflächen haften, die geklebt werden sollen (man spricht hier von Adhäsion). Diese Wirkung kann man verstärken, indem man die beiden zu verklebenden Teile fest aufeinanderpresst. Oft findet eine chemische Reaktion statt. Viele Klebstoffe reagieren erst mit dem in der Luft enthaltenen Sauerstoff. Deswegen werden sie auch nicht in der geschlossenen Tube fest und halten sich so sehr lange.

Kleber müssen unterschiedlichen Anforderungen genügen. Wer einen Henkel an eine Tasse klebt, braucht eine Verbindung, bei der sich nichts mehr bewegt. Wer einen Fahrradreifen flickt, benötigt aber einen Kleber, der beweglich bleibt, sonst würde die Klebestelle beim ersten Losfahren schlicht aufbrechen.

Sehr, sehr vorsichtig muss man bei sogenannten Sekundenklebern sein. Die reagieren nämlich mit Feuchtigkeit. Wer schon einmal ein Modellschiff aus Holz gebaut hat, weiß das: Die Planken für den Rumpf werden in Wasser gelegt, um sie biegsam zu machen. Wenn dann geklebt wird, entsteht sofort eine bombenfeste Verbindung. Sitzt die Planke schief, ist der Ärger groß.

Gefährlich wird es, wenn man selbst Sekundenkleber abbekommt: Die Feuchtigkeit der Haut sorgt für den zum Kleben nötigen Wasseranteil. In kürzester Zeit können Finger so fest verklebt sein, dass man zum Arzt muss.

Kleber kann aus vielen unterschiedlichen Materialien hergestellt werden: aus Baumharzen, pflanzlicher Stärke und sogar Zement. Dass Kleben nützlich ist, wussten schon unsere Vorfahren vor fast 50  000 Jahren: Neandertaler befestigten Feuersteine an Holzschäften und machten ihre Werkzeuge dann mit klebrigem Birken-Harz stabil. Auch Steinzeitmensch Ötzi, dessen Leiche vor einigen Jahren samt seiner Ausrüstung in den Alpen gefunden wurde, hatte Pfeile dabei, dessen Spitzen mit Harz auf die Holzschäfte geklebt worden waren. Das war damals modernste Technik, die beim täglichen Kampf ums Überleben gegen große und wilde Tiere wertvolle Dienste leistete. Seit Jahrhunderten werden die Stoffwicklungen an den Griffen der japanischen Samuraischwerter mit Reiskleber fixiert.

(Autor: Michael Michalzik)

Wollt ihr auch ganz genau wissen, wie etwas funktioniert? Habt ihr eine Frage, die unsere “Besserwisser”-Wissenschaftler beantworten sollen? – Dann mailt uns an info@hausderwissenschaft.org! Die Antwort auf eure Fragen lest ihr samstags in der Braunschweiger Zeitung und etwas später in diesem Blog.