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Haus der Wissenschaft - Kinderblog

Spieglein, Spieglein – eine nur scheinbar verkehrte Welt

Kategorie: Besserwisser, 7. November 2011 um 16:09

(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 5. November 2011)

Spieglein, Spieglein an der Wand – sagst du auch wirklich die Wahrheit? Aber klar! Ein normaler Badezimmerspiegel zeigt euch genau so, wie ihr seid. Nichts wird verzerrt. Und dass man sich seitenverkehrt sieht, stimmt eigentlich auch nicht: Wenn ihr einen Gegenstand in die rechte Hand nehmt, ist er auch im Spiegel auf der rechten Seite zu sehen. Zeigt ihr mit einem Pfeil nach links, macht das auch euer Spiegelbild. Würde der Spiegel wirklich die Seiten tauschen, müssten ja auch oben und unten verkehrt zu sehen sein.

Das ist natürlich nicht der Fall. Genau genommen vertauscht der Spiegel vorn und hinten, nicht links und rechts. Da unser Gehirn die von den Augen empfangenen Daten selbst für sich umrechnet, kommt es uns vor, als würde unser Spiegelbild die Uhr an der falschen Hand tragen. Um uns genauso zu sehen, wie es unsere Mitmenschen tun, brauchen wir einen zweiten Spiegel, durch den wir auf das erste Spiegelbild schauen.

Ein ganz ebener Spiegel, man spricht von einem Planspiegel, wird weder vergrößern noch verkleinern. Das kann man ganz leicht zu Hause nachprüfen: Mamas und Papas Einverständnis vorausgesetzt, stellt ihr euch so vor den Spiegel, dass ihr mit einem Lippenstift oder einem wasserlöslichen Stift euer Gesicht auf dem Spiegel umrandet. Geht ihr näher heran, passt euer Gesicht immer noch genau in den Umriss. Geht ihr weiter weg, ändert sich ebenfalls nichts, der Umriss passt weiterhin.

Das hängt mit der Brechung des Lichts zusammen: Bei einem völlig flachen Spiegel wird das Licht fast exakt gerade reflektiert. Die lustigen Zerrspiegel, die man auf dem Rummel sehen kann, machen sich den umgekehrten Effekt zunutze: Dadurch, dass das Licht dort in verschiedenste Richtungen zurückgeworfen wird, nehmen unsere Augen unser Spiegelbild als ganz dick oder lang und dünn wahr, eben verzerrt.

Ebenfalls spannend ist folgende Feststellung: Sieht man aus einem Meter Entfernung in einen Spiegel, nimmt man sich scheinbar in der doppelten Entfernung wahr, also zwei Meter weit weg – der Spiegel reflektiert auch den Abstand.

Ihr könnt es euch so vorstellen, dass der Spiegel quasi genau in der Mitte zwischen euch und eurem Spiegelbild steht. Und daraus ergibt sich eine weitere interessante Erkenntnis: Diese scheinbare Verdoppelung des Abstands bewirkt, dass ein Spiegel halb so groß sein muss wie ihr, damit ihr euch vollständig drin sehen könnt. Umgekehrt gilt: In einem Handspiegel, der ja immer viel weniger als halb so groß ist wie ihr, könnt ihr euch niemals von den Haarspitzen bis zu den Zehen sehen – egal, wie groß euer Abstand ist.

(Autor: Michael Michalzik)

Wollt ihr auch ganz genau wissen, wie etwas funktioniert? Habt ihr eine Frage, die unsere “Besserwisser”-Wissenschaftler beantworten sollen? – Dann mailt uns an info@hausderwissenschaft.org! Die Antwort auf eure Fragen lest ihr samstags in der Braunschweiger Zeitung und etwas später in diesem Blog.


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