(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 24. März 2012)
Oma und Opa haben in der Regel graue Haare. Diese gelten neben Falten als das auffälligste Zeichen des Alterns. Manchmal könnt ihr aber auch bei jüngeren Menschen graue Haare entdecken. Aber wieso verändert sich überhaupt unsere Haarfarbe?
Im Laufe des Lebens lassen bei allen Menschen bestimmte Leistungen der körpereigenen Zellen nach. Die Zellen arbeiten dann nur noch eingeschränkt oder hören ganz auf zu arbeiten. Auch die Zellen unserer Haare sind davon betroffen.
Melanin ist der Farbstoff, der für die Haarfarbe verantwortlich ist. Er wird in den Haarwurzeln hergestellt. Dieser Farbstoff wird im Alter durch Wasserstoffperoxid abgebaut. “Wasserstoffperoxid ist eine Flüssigkeit, die aus Wasser und Sauerstoff besteht. Mit zunehmendem Alter nimmt die Menge des Wasserstoffperoxids in den Haarzellen zu. Wasserstoffperoxid baut aber nicht nur Melanin ab, sondern unterbricht auch seine Herstellung, so dass die Haarfarbe nach und nach verloren geht und das Haar ergraut”, erklärt Dr. Hubertus Meyer zu Schwabedissen, Chefarzt der Geriatrie und Rheumatologie des Klinikums Braunschweig. Je älter wir werden, desto weniger Wasserstoffperoxid kann in den Zellen unserer Haarwurzeln abgebaut oder durch andere Stoffe ausgeglichen werden.
Das betrifft nicht nur die Zellen unserer Haare auf dem Kopf, sondern unsere gesamte Körperbehaarung. Genau genommen werden die Haare auch nicht grau, sondern weiß. Das für uns sichtbare Grau ist eine Mischung aus der ursprünglichen Haarfarbe und dem Weiß. Was wir als graue Farbe wahrnehmen, entsteht durch das unterschiedlich stark ausgeprägte Verblassen der einzelnen Haare. Bei Männern ergraut meist der Bart noch vor der Kopfbehaarung, da die Zellen in den Barthaarwurzeln noch schneller ihre Leistungsfähigkeit verlieren als die der Kopfhaare. Wasserstoffperoxid wird übrigens auch als Bleichmittel verwendet, beispielsweise zum Blondieren der Haare.
Aber keine Angst, kein Mensch ergraut von heute auf morgen. Vom Inneren der Haarwurzel aus lässt Wasserstoffperoxid Haar für Haar langsam über Jahre hinweg verblassen und gibt diese Eigenschaft auch an neu wachsende Haare weiter. “Die Veranlagung, wann unsere Zellen ihre Funktion einschränken und wir graue Haare bekommen, ist von Mensch zu Mensch verschieden und erblich festgelegt. Sie wird uns sozusagen mit in die Wiege gelegt”, sagt Dr. Meyer zu Schwabedissen.
Haben deine Eltern oder Großeltern schon mit Mitte dreißig ihre ersten grauen Haare bekommen, ist es sehr wahrscheinlich, dass es bei dir oder deinen Geschwistern ähnlich sein wird. Aber auch Umwelteinflüsse wie Sonnenbestrahlung oder Krankheiten können zum Ergrauen führen. Wirksame Medikamente gegen graue Haare gibt es noch nicht. Mit Haarfärbemittel lassen sich die grauen Haare jedoch leicht verstecken.
(Autorin: Ann-Kathrin Meyerhof)
Wollt ihr auch ganz genau wissen, wie etwas funktioniert? Habt ihr eine Frage, die unsere “Besserwisser”-Wissenschaftler beantworten sollen? – Dann mailt uns an info@hausderwissenschaft.org! Die Antwort auf eure Fragen lest ihr samstags in der Braunschweiger Zeitung und etwas später in diesem Blog.
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