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Haus der Wissenschaft - Kinderblog

Können Libellen stechen?

Kategorie: Besserwisser, Schlagwörter: , , — 9. Juli 2012 um 16:09

(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 7. Juli 2012)

Libellen sind faszinierende Tiere. In schillernden Farben schwirren sie über Seen und Flüsse und ziehen die Blicke der vorbeigehenden Spaziergänger auf sich. Doch kommt das schnelle Insekt zu nahe, zuckt so manch ein Beobachter zusammen. Sind Libellen etwa gefährlich und können stechen?

Libellen haben eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich. Sie zählen zu den ältesten Tiergruppen der Erde und lebten bereits vor den Dinosauriern. Weltweit gibt es mehr als fünftausend Libellenarten. Seine vier hauchdünnen Flügel kann das Insekt unabhängig voneinander bewegen. Deshalb können Libellen schlagartig ihre Flugrichtung ändern, auf der Stelle „schweben“ oder sogar rückwärts fliegen. Bis zu 50 Stundenkilometer schnell kann dieses kleine Wesen sich in der Luft bewegen.

Ob Libellen dem Menschen wirklich gefährlich werden können, erklärt Biologin Dr. Dagmar Hilfert-Rüppell vom Institut für Fachdidaktik der Naturwissenschaften an der Technischen Universität Braunschweig: „Libellenliebhaber können unbesorgt sein – Libellen stechen nicht. Sie sind völlig ungefährlich für den Menschen. Zwar können sie, wenn man sie allzu grob anfasst, schon mal mit ihren winzigen Mundwerkzeugen in die Hand zwicken, doch giftig ist das nicht.“

Das Gerücht der stechenden Libelle beruht wahrscheinlich auf der ungenauen Beobachtung der Insekten. „Das Libellenmännchen trägt am Ende seines länglichen Körpers sogenannte Hinterleibsanhänge. Diese könnten bei einem flüchtigen Blick durchaus für einen Stachel gehalten werden. Es handelt sich dabei aber um zwei kleine Haken, die bei der Paarung mit einem Libellenweibchen zum Einsatz kommen“, so Dr. Hilfert-Rüppell. Während der Fortpflanzung hängt das Männchen die Haken in den Nacken des Weibchens ein und hält es fest. Dabei verbiegen die beiden Libellen auf einzigartige Weise ihre langen Insektenkörper, so dass sie gemeinsam eine Herzform bilden.

„Obwohl Libellen für den Menschen nicht gefährlich werden können, sollten wir sie dennoch behutsam behandeln. Es ist verboten, sie zu fangen, da viele Arten von ihnen vom Aussterben bedroht sind. Beim Berühren ist Vorsicht geboten, damit die feinen Flügel nicht zerstört werden“, erklärt Dr. Hilfert-Rüppell. Gehst du friedlich mit der Libelle um, kannst du sie also aus nächster Nähe betrachten und brauchst keinerlei Angst vor ihr zu haben.

In unserer Region habt ihr vor allem an den Teichen in Riddagshausen oder entlang der Oker und Schunter gute Chancen, Libellen in freier Natur zu beobachten. Doch auch ein eigener Gartenteich bietet ihnen einen natürlichen Lebensraum und hilft bei der Erhaltung dieser bedrohten Tierart. Teichbesitzer haben dabei sogar einen Vorteil, denn Libellenlarven sind zur Schädlingsbekämpfung bestens geeignet und fressen bevorzugt die Larven von lästigen Mücken.

(Autorin: Sarah-Katharina Becker)

Wollt ihr auch ganz genau wissen, wie etwas funktioniert? Habt ihr eine Frage, die unsere “Besserwisser”-Wissenschaftler beantworten sollen? – Dann mailt uns an info@hausderwissenschaft.org! Die Antwort auf eure Fragen lest ihr samstags in der Braunschweiger Zeitung und etwas später in diesem Blog.

Eine Antwort zu “Können Libellen stechen?”

  1. Chakie sagt:

    Tatsächlich gibt es eine ganz viel Spannendes über Insekten heraus zu finden. Und wenn man neugierige Kinder hat, macht es besonders Spaß. Verbreitet ist ja leider die Mentalität „Was stört, muss weg!“ Und oft wird mit der Kanone geschossen, wo es gar nicht nötig ist. Ich finde die Tipps hier sehr schön und praktikabel. Ich arbeite mit Jugendlichen und nehme gern die Anregung mit!

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