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Haus der Wissenschaft - Kinderblog

Woher kommt Olympia?

Kategorie: Besserwisser, Schlagwörter: , , — 30. Juli 2012 um 16:09

(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 28. Juli 2012)

Gestern starteten die Olympischen Spiele 2012 in London. In den kommenden drei Wochen treten in sechsundzwanzig verschiedenen Sportarten wie Fechten, Judo oder Triathlon die besten Athleten und Athletinnen aus über 200 Nationen gegeneinander an. Aber weißt du, welche Geschichte hinter der weltweit größten Sportveranstaltung steckt?

Professor Wolfgang Leschhorn, Dozent des Historischen Seminars der Technischen Universität Braunschweig, ist ein Experte für die Geschichte der Olympischen Spiele. Bei den Wettkämpfen vor 20  Jahren erzählte er in einem Vortrag Teilnehmern der deutschen OlympiaMannschaft über die Herkunft dieses bedeutenden Sportereignisses, welches bereits vor mehreren Jahrhunderten seinen Anfang nahm.

„Die Olympischen Spiele sind eine Erfindung aus der Antike – dem alten Griechenland vor weit über 2500 Jahren. Bereits im Jahre 776 vor Christus fanden im griechischen Heiligtum von Olympia die ersten Sportwettkämpfe statt. Damals traten allerdings nur griechische Sportler gegeneinander an“, weiß Dr. Leschhorn.

Alle vier Jahre zogen die besten Athleten Griechenlands in die Stadt Olympia auf der Halbinsel Peloponnes. Hier traten sie in den ersten Jahren allein in der Disziplin des Stadionlaufs an. Später kamen weitere Disziplinen, wie Diskuswerfen, Ringen oder Wagenrennen dazu. Die Sportler kämpften dabei stets nackt. Dem Gewinner wurde nicht wie heute eine Medaille um den Hals gelegt, sondern ein Lorbeerkranz auf das Siegerhaupt gesetzt. „Die Spiele waren aber nicht nur für die Welt des Sportes von sehr großer Bedeutung. Auch Politiker, Philosophen, Schauspieler und Bürger aus allen Schichten strömten zu diesem Großereignis. Es war ein beliebter gesellschaftlicher Treffpunkt, ähnlich einem Volksfest“, so der Historiker Dr. Leschhorn. Dabei waren ausschließlich Männer zu den Spielen eingeladen. Selbst in den Zuschauerreihen war die Anwesenheit von Frauen verboten. Übrigens nutzten die Griechen die Olympiaden – so nennt man den vierjährigen Zeitraum zwischen den Olympischen Spielen – als Zeitrechnung.

Derzeit befinden wir uns in der 30. Olympiade. Wer von euch gut rechnen kann, kommt schnell darauf, dass da etwas nicht stimmen kann, wenn die ersten Wettkämpfe schon über 2500 Jahre zurückliegen.

Das liegt daran, dass die Sporttradition über viele Jahrhunderte hinweg unterbrochen wurde. „Die Spiele der Antike standen in starkem Bezug zur griechischen Religion und waren ihrem obersten Gott Zeus gewidmet. Während der Ausbreitung des Christentums im 4. Jahrhundert fanden die Sportfeste, die nicht den christlichen, sondern den fremden Gott Zeus ehrten, immer weniger Zuspruch. Bald wurden sie verboten, die Tradition der Sportwettspiele erlosch vorerst völlig“, erklärt Dr. Leschhorn.

Erst 1896 setzte sich ein französischer Baron dafür ein, die Idee der antiken Spiele wieder aufzugreifen. Diese wiederbelebten Sportwettkämpfe, die du vielleicht auch in den kommenden Wochen vor dem Fernseher verfolgen wirst, nennen wir deswegen die Olympischen Spiele der Neuzeit. Und diese haben viele Unterschiede zu den alten Spielen: Alle vier Jahre versammelt man sich in einer anderen Stadt der Welt, es gibt viele andere Sportarten als damals und alle Nationen, und auch die Frauen dürfen teilnehmen.

(Autorin: Sarah-Katharina Becker)

Wollt ihr auch ganz genau wissen, wie etwas funktioniert? Habt ihr eine Frage, die unsere “Besserwisser”-Wissenschaftler beantworten sollen? – Dann mailt uns an info@hausderwissenschaft.org! Die Antwort auf eure Fragen lest ihr samstags in der Braunschweiger Zeitung und etwas später in diesem Blog.

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