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Haus der Wissenschaft - Kinderblog

Das Polarlicht

Kategorie: Besserwisser, 17. November 2012 um 16:09

(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 17. November 2012)

Es sind vielleicht die schönsten Licht-Phänomene, die am Himmel zu sehen sind: Polarlichter. In großer Höhe schimmern sie wie gigantische Vorhänge oder Bänder in traumhaft schönen Farben. Wie ihr Name sagt, sind sie fast ausschließlich in den Regionen des Nord- oder Südpols zu beobachten.

Ihre Entstehung ist auf unsere Sonne zurückzuführen: Auf der Oberfläche des gleißend hellen Sterns in der Mitte unseres Sonnensystems herrscht seit Milliarden von Jahren große Aktivität. Immer wieder kommt es dort zu heftigen Bewegungen des Plasmas, aus dem die Sonne besteht: Gewaltige Mengen werden ins All geschleudert.

Riesige Wolken aus kleinen elektrisch geladenen Teilchen, Sonnenwind genannt, rasen mit bis zu drei Millionen Stundenkilometern auf die umliegenden Planeten zu – und treffen dabei auch auf die Erde. Die Sonnenwindteilchen prallen auf das schützende Magnetfeld der Erde und werden dabei nach oben und unten zu den Polen gelenkt.

Dort verläuft das Magnetfeld anders, der Schutzschild unseres Planeten ist quasi löchrig: Die Teilchen können in die Atmosphäre eintreten. Sie treffen auf Atome und Moleküle der Luft, die dabei ionisiert werden und zum Leuchten angeregt werden.

In der aktuellen Sonderausstellung „Licht.Schatten.Farbe.“ im Wolfsburger Phaeno-Museum kann man im Versuch sogar selbst elektrisch geladene Teilchen auf den Pol eines magnetischen Globus lenken und so die künstliche Entstehung von Polarlichtern beobachten.

Je nachdem, welche Teilchen in der Erdatmosphäre getroffen wurden, leuchten unterschiedliche Farben: Sauerstoffatome, die in sehr großer Höhe, etwa 200 Kilometer, angeregt werden, ergeben ein rotes Licht. Grünes Licht geht von Sauerstoffatomen in 100 Kilometer Höhe aus. Werden Stickstoffatome angeregt, ist ein eher bläuliches Licht zu sehen.

Die ältesten Berichte über Polarlichter sind mehr als 2000 Jahre alt. Die Wikinger, die alten Kämpfer, glaubten, dass irgendwo eine gewaltige Schlacht geschlagen worden war. Für sie war das Licht das Schimmern auf den Rüstungen der gefallenen Krieger, die jetzt an den Sitz der Götter zogen, um dort an der Festtafel des höchsten Gottes Odin zu speisen.

Wenn doch mal im Mittelmeerraum ein Polarlicht zu sehen ist, dann meist rötliches. Man ging dort lange Zeit von Vorboten eines drohenden Unheils aus. Heutzutage lösen Polarlichter vereinzelt Meldungen über UFO-Sichtungen aus.

Bei all diesem Aberglauben bleibt aber festzuhalten: Polarlichter, beziehungsweise der Sonnenwind, können tatsächlich Auswirkungen auf den Menschen und seine Technik haben. Die Teilchen des Sonnenwinds erzeugen starke elektromagnetische Felder. Sie können empfindliche Elektronik durcheinanderbringen. Betroffen sind vor allem Satelliten und Flugzeuge.

Wenn besonders viele Polarlichter am Himmel leuchten, nehmen Flugzeuge Kurse, die weiter weg von den Polen sind, oder fliegen niedriger. Auch Funkverkehr wird zum Teil gestört. Die Häufigkeit von Polarlichtern schwankt mit der Sonnenwindaktivität, die etwa alle elf Jahre am stärksten ist. 2012 wird laut der Amerikanischen Weltraumbehörde Nasa das aktivste Jahr seit fünf Jahrzehnten gewesen sein.

(Autor: Dominik Essing, Phaeno)

Wollt ihr auch ganz genau wissen, wie etwas funktioniert? Habt ihr eine Frage, die unsere “Besserwisser”-Wissenschaftler beantworten sollen? – Dann mailt uns an info@hausderwissenschaft.org! Die Antwort auf eure Fragen lest ihr samstags in der Braunschweiger Zeitung und etwas später in diesem Blog.

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