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Haus der Wissenschaft - Kinderblog

Elmsfeuer: Der Schrecken der alten Seefahrer

Kategorie: Besserwisser, Schlagwörter: , , , — 5. Januar 2013 um 16:09

(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 5. Januar 2013)

Die Sturmsegel wurden gesetzt, die Takelage ächzte unter den aufkommenden Böen, während die Seeleute auf das immer näher kommende Gewitter warteten. Und wenn sich in dieser drohenden Gefahr auch noch die Mastspitzen in geisterhaft-bläuliches Licht hüllten, war klar: Jetzt kommt bald der Klabautermann, um Schiff und Besatzung zu sich in die Tiefe zu holen!

Dann war es an der Zeit, zum Heiligen Erasmus von Antiochia zu beten, einem der Schutzpatrone der Seefahrer. In Italien wird der Heilige St. Elmo genannt. Und daher hat das leuchtende Spektakel auch seinen Namen: Elmsfeuer. Natürlich handelt es sich um keinen Spuk, sondern um ein sehr seltenes optisches Phänomen.

Im Grunde ist das Elmsfeuer eine Art kontinuierlicher Blitz: Während oder kurz vor einem Gewitter ist die Luft stark elektrisch aufgeladen. In der Nähe von herausragenden, spitzen Gegenständen sorgt diese Spannung für hohe elektrische Feldstärken. Deswegen tauchte dieses Phänomen vor allem an den Masten der alten Segelschiffe auf. Wenn die Spannung groß genug ist, wird die Luft ionisiert, und es bilden sich Büschel von kleinen Blitzen aus. Überwiegend werden Stickstoff- und Sauerstoffmoleküle ionisiert, so dass das Leuchten blau bis violett ist. Da das Licht eher schwach ist, wird das Elmsfeuer vor allem nachts beobachtet – was den Gruselfaktor für abergläubische Teerjacken nochmals deutlich erhöhte.

Und: Menschen, die sich in der Nähe eines Elmsfeuers befinden, stehen oft wegen der statischen Aufladung die Haare zu Berge.

Die Lichterscheinung sieht büschelartig aus und kann eine Länge von bis zu 50 Zentimetern erreichen. Eine Minute und länger kann das Leuchten andauern. Es ist auch manchmal im Gebirge zu sehen. Im Bereich eines Gipfelkreuzes sieht es wirklich ziemlich unheimlich aus. Obwohl das Elmsfeuer an sich nicht weiter gefährlich ist, besteht in seiner Nähe unmittelbare Blitzgefahr: Hier kann es umgehend einschlagen.

Übrigens braucht es, anders als bei herkömmlichen Blitzen, keinen Bodenkontakt für die Entladung: Auch manche Piloten haben schon Elmsfeuer an ihren Maschinen gesehen, etwa an den Spitzen der Tragflächen oder an den Frontscheiben des Cockpits. Aber auch hier ist das Leuchten harmlos.

(Autor: Michael Michalzik, Phaeno)

Wollt ihr auch ganz genau wissen, wie etwas funktioniert? Habt ihr eine Frage, die unsere “Besserwisser”-Wissenschaftler beantworten sollen? – Dann mailt uns an info@hausderwissenschaft.org! Die Antwort auf eure Fragen lest ihr samstags in der Braunschweiger Zeitung und etwas später in diesem Blog.

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