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Haus der Wissenschaft - Kinderblog

Bilder – echt oder nicht?

Kategorie: Besserwisser, Schlagwörter: , — 12. Januar 2013 um 16:09

(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 12. Januar 2013)

In den Braunschweiger Museen kannst du dir viele unterschiedliche Kunstwerke anschauen. Ob Fotografie, Malerei oder Bildhauerei – ein Museum ist besonders stolz, wenn es wertvolle Originale von berühmten Künstlern ausstellen kann. Doch woher weiß das Museum eigentlich, dass ein Kunstwerk echt und keine Fälschung ist?

Professor Wolfgang Ellenrieder von der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig erklärt, wie man zum Beispiel ein Gemälde auf seine Echtheit kontrolliert. Zuallererst prüft man das, was man sieht. Wenn das Gemälde beispielsweise signiert ist, kann man prüfen, ob die Unterschrift des Künstlers genauso aussieht, wie bei einem anderen bereits geprüften Bild. Außerdem schaut man sich an, was auf dem Bild abgebildet ist. „Wenn auf einem Gemälde aus dem 18. Jahrhundert ein Handy gemalt ist, kann das nicht stimmen“, so der Professor für Malerei. Du weißt ja, dass es Mobiltelefone erst seit dem 20. Jahrhundert gibt.

Ein entscheidendes Indiz für die Echtheit eines Kunstwerkes ist darüber hinaus das Material, auf dem es gemalt wurde. „Bis vor ca. 100 Jahren hat man meist auf zwei verschiedenen Materialien gemalt – auf Holz und auf Leinwand aus Baumwollstoff. Man kann den Bildgrund also zeitlich einordnen. Die Jahresringe des Holzes verraten, wie alt das Holz ist“, erklärt Professor Ellenrieder.

Es gibt aber auch technische Methoden zur Überprüfung eines Kunstwerkes. Mit Hilfe von chemischen Verfahren lassen sich die Farben eines Gemäldes analysieren. Dafür reicht ein bisschen Farbe aus, welche sich meist hinter dem breiten Bilderrahmen versteckt – denn das Gemälde darf durch solche Tests nicht beschädigt werden. „Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Farben synthetisch hergestellt, wie zum Beispiel Ultramarin oder Indigo. Tubenfarben, wie ihr sie heute aus dem Kunstunterricht kennt, gibt es erst seit ungefähr 120 Jahren. Vorher musste jeder Künstler seine Farben aufwendig selbst herstellen“, verdeutlicht Professor Ellenrieder.

Durch die chemischen Tests wird herausgefunden, ob es sich um Naturfarben aus Pflanzen oder um chemisch produzierte Farbstoffe handelt und wo die Farben herkommen.

Man kann die Bilder aber auch röntgen. Durch spezielle Kameras lässt sich der Aufbau des Bildes in seine einzelnen Schichten nachvollziehen. Dabei sieht man, ob die Vorzeichnung beispielsweise anders ist, als das fertige Bild. Abweichungen können Hinweise auf eine Fälschung sein. Kunstfälscherinnen und -fälscher sind jedoch raffiniert und wissen, was alles begutachtet wird. Deswegen fälschen sie eher weniger bekannte Bilder, die dennoch einen gewissen Wert haben. „Wenn ein Kunstwerk geprüft ist und ein Gutachten erstellt wurde, erhält es ein Echtheits-Zertifikat. Aber hundertprozentige Sicherheit, ob ein Kunstwerk echt ist, gibt es nie“, fügt Professor Ellenrieder hinzu.

(Autorin: Anke Dreißigacker)

Wollt ihr auch ganz genau wissen, wie etwas funktioniert? Habt ihr eine Frage, die unsere “Besserwisser”-Wissenschaftler beantworten sollen? – Dann mailt uns an info@hausderwissenschaft.org! Die Antwort auf eure Fragen lest ihr samstags in der Braunschweiger Zeitung und etwas später in diesem Blog.

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