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Haus der Wissenschaft - Kinderblog

Die Wahrheit über die Brockengespenster

Kategorie: Besserwisser, Schlagwörter: , , — 19. Januar 2013 um 16:09

(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 19. Januar 2013)

Gepflegter Grusel: In einer dichten Nebelwand taucht eine gewaltige Figur auf, die sich auch noch bewegt. Da kann es einem schon kalt den Rücken herunterlaufen. Vor allem auf dem höchsten Berg des Harzes sind diese Erscheinungen zu beobachten, die man deswegen auch „Brockengespenst“ nennt. Allerdings: Mit Geistern hat das alles nichts zu tun.

Nebel, Wind und Sonne

Das Phänomen wurde zuerst auf dem Brocken beobachtet. Und dort sieht man es tatsächlich besonders oft. Denn dazu muss es neblig sein – und das ist es auf dem Harzgipfel durchschnittlich an mehr als 300 Tagen im Jahr. Was passiert? Die Strahlen der auf- oder untergehenden Sonne werfen einen durch den Beobachter hervorgerufenen Schatten auf eine dichte Nebelwand. Genau gesagt: auf die unzähligen feinen Wassertröpfchen, aus denen Nebel besteht.

Auch, wenn man ganz still steht: Wind und Luftströmungen bewegen die Nebelbank. Deswegen verändert auch der Schatten seine Form und Größe, als sei er ein eigenes Wesen. Je näher man am Nebel dran ist, desto größer wirkt die Erscheinung und kann damit schon ziemlich unheimlich wirken. Kein Wunder, dass sich die Bezeichnung „Brockengespenst“ aus dem Jahr 1780 bis heute gehalten hat.

Um diesen Eindruck perfekt zu machen, gesellt sich oft noch ein weiteres optisches Phänomen hinzu: Scheint die Sonne von hinten, kann sich um den Schatten des Betrachters auf der Nebelbank mitunter noch ein bunter Ring in blau, grün, gelb und rot bilden. Das optische Ereignis wirkt ein wenig wie ein Heiligenschein und wird deshalb auch „Glorie“ genannt. Es entsteht ähnlich wie ein Regenbogen, bei dem das Sonnenlicht sich in den Regentropfen bricht und für den Betrachter in die einzelnen Spektralfarben zerlegt wird.

Ein weißer Regenbogen

Und Nebel kann noch mehr spannende Effekte bieten: Manchmal lässt sich ein Nebelbogen beobachten. Auch er entsteht wie ein Regenbogen, ist aber weiß. Ob man ihn sehen kann, ist von der Größe der Nebeltröpfchen abhängig: Sind die Tropfen sehr klein, überlagern sich die Spektralfarben und ergeben zusammen weißes Licht. Je kleiner die Nebeltröpfchen, desto schwerer ist der Nebelbogen zu erkennen, weil das reflektierte Licht dann sehr schwach wird.

Übrigens: Auch der große Dichter Johann Wolfgang Goethe, ein wahrer Harz-Fan, war dem Brockengespenst auf der Spur. Denn der berühmte Denker betrieb optische Studien auf den Gipfeln des Harzes und half, den Namen berühmt zu machen.

(Autor: Michael Michalzik, Phaeno)

Wollt ihr auch ganz genau wissen, wie etwas funktioniert? Habt ihr eine Frage, die unsere “Besserwisser”-Wissenschaftler beantworten sollen? – Dann mailt uns an info@hausderwissenschaft.org! Die Antwort auf eure Fragen lest ihr samstags in der Braunschweiger Zeitung und etwas später in diesem Blog.

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