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Haus der Wissenschaft - Kinderblog

Wie viel Wissen kann ein Mensch aufnehmen?

Kategorie: Besserwisser, Schlagwörter: , , , , — 17. Dezember 2014 um 16:09

(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 13. Dezember 2014)

In den vergangenen Herbstferien ließen 90 Kinder bei den KIWI-Forschertagen für Neugierige vom Haus der Wissenschaft Braunschweig ihre Fragen auf einem Zettel an blauen Luftballons in den Himmel steigen. Einige der Zettel wurden gefunden und an die Kinder zurückgeschickt. Diese Fragen  möchte das Haus der Wissenschaft mit der Unterstützung von Experten aus der Forschung in den kommenden Wochen an dieser Stelle beantworten. Die heutige Frage stammt von Daniel Schönfeld, sein Luftballon wurde in Klein Bartensleben gefunden und ist 40 Kilometer weit geflogen.

Gibt es ein Limit an Wissen, was wir aufnehmen können? Die Antwort gibt Professor Martin Korte von der Abteilung für Zelluläre Neurobiologie vom Institut für Zoologie der Technischen Universität Braunschweig.

Kann unser Gehirn irgendwann einfach „voll“ sein? Nein, meint Professor Korte. „Nach heutigem Wissenstand ist das Gehirn nie voll, sondern speichert alles ab, was wir wahrnehmen. Allerdings wird es dann irgendwann schwer, bestimmte Informationen abzurufen“. Allerdings sei es auch sehr schwer zu messen, wie viel Wissensmenge ein Mensch überhaupt besitzt. Denn das Gehirn ist sehr kompliziert vernetzt und funktioniert nicht wie eine Computerfestplatte, die man einfach untersuchen kann.

Allein schon das Merken von normalen Sachen wie Sprache oder Gesichtern kostet enorme Datenmengen: „Wäre es möglich, diese Daten auf eine CD zu speichern, bräuchte man davon 100  Millionen Stück“, so Professor Korte.

Müssen wir deshalb etwas vergessen, um Platz für Neues zu machen? Auch das verneint Professor Korte: „Aktiv etwas zu vergessen, ist fast unmöglich. Nur manche Informationen, die wir lange nicht benutzten, werden irgendwann von neuen überlagert. Das schwierige ist eher, Informationen, die wir brauchen, wiederzufinden.“

Im Prinzip vergessen wir also nichts. Das Problem liegt meist nur darin, dass wir nicht mehr genau wissen, wo wir eine Erinnerung im Gehirn abgespeichert haben. Je mehr Informationen wir abspeichern, desto schwieriger wird es, sie wieder zu finden, wenn wir sie brauchen.

Vor allem älteren Menschen fällt es deshalb oft schwer, sich an etwas zu erinnern: „Sie haben im Laufe ihres Lebens so viele Information abgespeichert, dass es sehr lange dauern kann, bis sie eine bestimmte Erinnerung wieder finden“, erklärt Professor Korte.

Aber warum können wir uns an manche Sachen besser erinnern und an andere nicht? Alles, was an Bekanntes anknüpft, kann unser Gehirn leichter kategorisieren und abspeichern.

Doch auch unsere Gefühle spielen eine Rolle, wenn es darum geht, sich etwas zu merken. „Wenn wir glücklich sind oder uns eine Sache gut gefällt, dann können wir uns diese auch besser merken“, gibt Professor Korte zum Abschluss als Tipp. Müsst ihr demnächst also mal wieder für die bevorstehende Klassenarbeit lernen, solltet ihr das nicht mit schlechter Laune tun.

 

(Autorin: Chiara Warbeck)

Wollt ihr auch ganz genau wissen, wie etwas funktioniert? Habt ihr eine Frage, die unsere “Besserwisser”-Wissenschaftler beantworten sollen? – Dann mailt uns an info@hausderwissenschaft.org! Die Antwort auf eure Fragen lest ihr samstags in der Braunschweiger Zeitung und etwas später in diesem Blog.

 

 

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