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Haus der Wissenschaft - Kinderblog

Ist der „große, dicke Zeh“ immer der längere?

Kategorie: Besserwisser, 15. Juni 2010 um 16:09

(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 12. Juni 2010)

Ist der große Zeh auch immer der längste Zeh am Fuß? Nicht unbedingt, das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Also, kleine Forscher: Erst einmal nachschauen, wie das bei einem selber ist! Schnell die Schuhe und Socken ausgezogen: Ist der erste, also der große, oder der zweite Zeh länger? Beides ist möglich. Umgangssprachlich bezeichnet man die Variante, bei der die Zehen von innen nach außen kürzer werden, als die „ägyptische“ Fußform. Wenn der zweite Zeh länger als der erste ist, wird das oft „griechische Form“ genannt. Das kann man gut erkennen, wenn man sich in einem Museum antike Statuen anschaut: Die Bildhauer haben damals so exakt gearbeitet, dass sie auch darauf geachtet haben, ihr Schönheitsideal auf die Füße der Skulpturen zu übertragen.
In Schweden wurden übrigens Studien gemacht, die gezeigt haben, dass etwa zehn Prozent der schwedischen Bevölkerung einen längeren zweiten Zeh haben. Die Fußform ist von einer Generation auf die nächste vererbbar, haben Wissenschaftler herausgefunden: Wenn eure Eltern „ägyptische“ Füße haben, wird das bei euch sehr wahrscheinlich auch so sein – eine Garantie dafür gibt es aber nicht. Die Wissenschaftler streiten sich noch darüber, wie die genauen Vererbungsregeln bei den Zehen sind. Sicher ist aber: Die Fußform ist eine der Eigenschaften – wie auch die Augenfarbe, Haarfarbe oder Nasenform -, die uns als Mensch ausmachen und die für unser individuelles Aussehen verantwortlich sind.
Unabhängig davon, welcher Zeh länger ist, haben wir Menschen verglichen mit unseren nächsten Verwandten im Tierreich sehr kurze Zehen. Bei Schimpansen sieht das zum Beispiel ganz anders aus. Ihre Zehen sind so lang, dass sie sie sehr gut als Greifwerkzeuge benutzen können. Es gibt Wissenschaftler, die sich vor allem mit der Frage beschäftigen, warum unsere Füße und Zehen so aussehen, wie sie es eben tun. Wir Menschen stammen ursprünglich von den Affen ab. Die Wissenschaftler vermuten, dass deren lange Zehen einfach hinderlich beim schnellen und ausdauernden Laufen in der Savanne von Afrika waren. In der Evolution, also der Entwicklung der Arten, haben sich die Zehen des Menschen deshalb immer weiter verkürzt. Das heißt aber nicht, dass die Zehen noch kürzer werden dürfen, und wir ganz vielleicht ohne Zehen auskommen könnten. Man braucht mindestens den großen Zeh, um das Gleichgewicht halten zu können. Das könnt ihr leicht ausprobieren, indem ihr Euch auf ein Bein stellt und balanciert. Merkt ihr, wie sehr ihr dabei die Zehen benötigt, um nicht umzufallen?

(Autor: phæno Wolfsburg)

Wollt ihr auch ganz genau wissen, wie etwas funktioniert? Habt ihr eine Frage, die unsere “Besserwisser”-Wissenschaftler beantworten sollen? – Dann mailt uns an info@hausderwissenschaft.org! Die Antwort auf eure Fragen lest ihr samstags in der Braunschweiger Zeitung und etwas später in diesem Blog.



Eine Antwort zu “Ist der „große, dicke Zeh“ immer der längere?”

  1. Jan sagt:

    Ein sehr interessanter Artikel!

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